Der blinde Fleck

Dieser Artikel erregte irgendwie meine Aufmerksamkeit. Und als ich ihn dann las, hatte ich zum einen Spaß an zwei wunderschönen “fachmedizinesischen” Begriffen und zum anderen lehrt der Artikel aus Spiegel Online uns zwei wichtige Prinzipien für das Erstellen einer Diagnose.

Eine rätselhafte Patientin

Eine Frau ging wegen starker Bauchschmerzen ins Krankenhaus in die Notaufnahme. Ihre Diagnose brachte sie gleich mit. Sie litt schon seit 20 Jahren an einer intermittierenden Porphyrie (eine angeborene Stoffwechselstörung, die mit Unterbrechungen Symptome zeigt).

Die ganzen Symptome kannst Du gerne in dem Originalartikel nachschlagen. Aufgrund der Diagnose wird sie nur mit Schmerzmitteln behandelt.

Bei einem dritten Krankenhausbesuch innerhalb von 14 Tagen fallen den Medizinern dann ungewöhnliche Blutwerte auf, die auf Leber-/Gallenprobleme hindeuten.
Sie wird mit der endoskopisch retrograden Cholangiopankreatikografie kurz ERCP (ein herrlicher Begriff oder?) untersucht.

Und was stellen die Ärzte dabei fest? Die gute Frau hat ganz ordinäre Gallensteine.

Nun, jetzt könnten wir wieder über die Medizin lästern und schimpfen: “Warum hat das denn vorher keiner bemerkt, … warum untersuchen die denn nicht richtig und so weiter und so fort…”

Diesmal möchte ich aber nicht lästern und schimpfen. Dieses mal möchte ich Dir zeigen, was wir daraus lernen können.

Die zwei wichtigsten Regeln der Diagnostik

Regel Nummer 1:

Traue keiner ärztlichen Diagnose!
Wenn Dein Patient, Klient oder Angehöriger mit einer ärztlichen Diagnose zu Dir kommt (was grundsätzlich nicht verkehrt ist), dann solltest Du diese vielleicht erst einmal ignorieren und Dir zu allererst ein eigenes Bild vom “Krankheits”-geschehen, bzw. vom Verlauf des Sonderprogramms (oder mehrerer) machen.
Möglicherweise stellst Du Symptome, Hinweise, “Indizien” für andere oder zusätzliche Thematiken fest, als der Arzt oder Behandler vor Dir.

Je weniger “Vorurteile” Du hast, um so besser und neutraler kannst Du an die Differentialdiagnose herangehen. Wenn Du damit fertig bist, kannst Du Dein Ergebnis gerne mit dem vorherigen Befund abgleichen.

Regel Nummer 2:

Traue keiner Diagnose, des Patienten!
Denn, sie beruht in der Regel auf einer ärztlichen Diagnose, die aber grundsätzlich fehlerhaft oder veraltet sein kann. Wie der obige Vorfall zeigt, sind die Ärzte auch auf eine schon bekannte Diagnose “hereingefallen”. Sie haben gar nicht mehr genug untersucht. Sie vertrauten ihren Kollegen, die die Ursprungsdiagnose erstellt haben. Allerdings ist es vielleicht doch etwas fahrlässig eine vor 20 Jahren erstellte Diagnose nicht zu überprüfen.

Aber selbst nach ein paar Tagen oder Wochen, kann sich ein völlig anderes Bild ergeben.

Der blinde Fleck

 

 

 

Fazit: Egal, ob Du “nur” bei Dir und Deinen Angehörigen oder bei Deinen Patienten, Kunden oder Klienten eine Diagnose erstellen möchtest, sei immer schön wachsam und gedanklich offen, damit Du auch den “blinden Fleck” wahrnimmst.

Bis die Tage – bleib gesund

Richard

 

 

PS.:

Ach so, der blinde Fleck… weißt Du woher der Begriff kommt? An der Stelle in unserem Auge, an der die Nervenfasern in die Netzhaut treten, ist unser Gesichtsfeld eingeschränkt. An der Stelle gibt es keine Photorezeptoren.

Ein kleines Experiment:

Halte das linke Auge zu und schaue Dir auf der oberen Grafik links das Pluszeichen an. Bewege Deinen Kopf langsam ca. 30-40 cm (beim Tablet oder Smartphone entsprechend näher) an das Bild heran (evtl. den Kopf noch etwas seitlich bewegen). An einer bestimmten Position kannst Du den Kreis (rechtsim Bild) nicht mehr sehen.  Gehst Du näher heran, siehst Du ihn wieder, gehst Du weiter weg, auch. Interessant oder?

1 Gedanke zu “Der blinde Fleck”

  1. Hallo Richard…!

    Aus deinem Bericht kann man auch lernen, dass man die Krankheitsnamen (Etikettierungen) als Therapeut effektiver verwenden kann, wie du es schon auf deiner Startseite dargestellt hast, unter dem Themen-Punkt…: GNM – Hilfe zur Selbsthilfe…!

    Ich persönlich schaue mir gerne schulmedizinische Diagnoseerklärungen bei DocCheck Flexicon an. Dort wird sehr gut alles dargelegt, um es dann nach GNM-Methode aufzuschlüsseln…!

    Die medizinische Wissenschaft macht sich wirklich sehr viel Arbeit gewisse biochemische Vorgänge im Körper aufzuschlüsseln, aber es wird kein passender Schuh daraus, wenn man die psychosomatischen Zusammenhänge nicht erkennt und/oder auch nicht erkennen will…!

    Ich bin kein Fußball-Fan, aber bei deiner Stoffwechsel-Geschichte fiel mir sofort dieses schlimme Formtief von Mario Götze (BVB) ein…!

    Hier eine schulmedizinische Erklärung zum Fall des Fußballers Mario Götze (BVB)…!

    Zitat Anfang…:Verändern sich die Stoffwechselvorgänge des menschlichen Körpers, kann es zu einer Stoffwechselstörung kommen. Verschiedene Stoffe werden dann nicht mehr richtig verarbeitet, abgebaut oder landen nicht mehr am richtigen Ort. Je nach Art der Störung weisen sie andere Krankheitsbilder und Symptome auf. Das macht eine Diagnose oft schwierig.
    Daneben gibt es verschiedene Ursachen für eine Stoffwechselstörung. Umweltfaktoren, Infektionen oder ein genetischer Defekt können den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringen. (Zitat Ende)

    Man könnte auch sagen…: „Wir fischen im trüben“!

    Die Presse gibt preis, dass es sich um eine metabolische Myopathie handeln soll, und in einer vorangegangenen Pressemitteilung heißt es, dass er vorher bei Bayern München nicht richtig Fuß fassen konnte. Der damalige Bayern Trainer Carlo Ancelotti hatte Götze einen Wechsel nahe gelegt, zurück zum BVB…!

    Was war da wohl Mental in Richtung „Selbstwert“ vorgefallen…?

    Bei Kenntnissen der 5BN-Regeln könnte man einiges in diesem Fall in eine gewisse Reihenfolge bringen…:
    https://www.germanische-heilkunde.at/multiple-sklerose.html

    In den Medien findet man dann leider diese „komplizierten“ Kommentare…:
    https://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/metabolische-myopathie-symptome-diagnose-und-behandlung_id_6731118.html

    Liebe Grüße von Jürgen

Schreibe einen Kommentar zu Jürgen Antworten abbrechen